Christine Kiesmüller

 

Mein Forschungsinteresse liegt in der Entwicklung und Evolution von Arthropoden. Während meiner Bachelorarbeit beschäftigte ich mich mit fossilen Insekten (Palaeodictyoptera) und Schaben (Dictyoptera) und deren Flügelentwicklung (vgl. Kiesmüller et al. 2019). In meinem Masterstudium absolvierte ich mehrere Forschungspraktika, die unterschiedlichste Themengebiete umfassten: Walzenspinnen (Solifugae) und deren Tagmatisierung, Schaben und ein möglicher Flügel-Lock-Mechanismus und mit einer seltsamen marinen Nacktschnecke (Heterobranchia, Mollusca), deren Eingeweidesack vermutlich sekundär ähnlich wie bei Landschnecken (aber ohne die Schale) gewunden ist. In meiner Masterarbeit beschäftigte ich mich mit der Puppenentwicklung von Mehlkäfern (Tenebrionidae, Coleoptera, Insecta) und probierte im Zuge dessen verschiedenste Techniken aus, in die Puppen hineinzuschauen (Histologie und transparent gemachte Cuticula).
    Nun interessieren mich insbesondere Anpassungen an räuberische oder Räuber-vermeidende Lebensweisen von Insekten. In meiner Doktorarbeit werde ich mich mit diesem Thema auseinander setzten: „Fressen und gefressen werden“ im Fossilbefund - Funktionelle Anpassungen räuberischer Insekten und ihrer Beute.
    Insekten lassen sich, wie fast alle Tiere, entweder als Räuber oder als Beute (oder beides) ansehen, dementsprechend sind Anpassungen an eine räuberische oder Räuber-vermeidende Lebensweise sehr weit verbreitet. Deshalb sind Räuber-Beute-Beziehungen eines der Grundprinzipien der Ökologie: schon Darwin hatte sich mit dieser Art von Beziehung auseinander gesetzt. Anpassung dieser Art finden auf verschiedenen Ebenen statt, d.h. entweder auf Ebene der Beute oder des Räubers oder auf beiden. Anpassungen an eine räuberische Lebensweise bspw. beinhaltet Umfunktionierung von Körperanhänge zum Ergreifen von Beute, z.B. Raubwanzen, deren Vorderbeine ähnlich wie bei Mantiden (Gottesanbeterin) zu Raubbeinen umfunktioniert worden sind.
    Heutzutage wird das Augenmerk dieses Teilbereiches der Ökologie allerdings vermehrt auf Modelle dieses Systems gelenkt, was vermutlich unter anderem damit zu tun hat, dass Räuber-Beute-Beziehungen schwerer im Feld nachzuweisen sind. Deshalb ist die Morphologie und hier v.a. die Funktionsmorphologie von größerer Bedeutung. Auch sind solche Interaktionen wegen ihres Verhaltensaspekts bei rezenten Tieren nicht einfach zu beobachten und im Fossilbefund noch schwieriger. Trotzdem lässt sich trotz dieser Schwierigkeit mit Fossilien viel machen, da Verhalten nicht direkt nachweisbar seien muss (‘frozen behaviour‘), sondern auch indirekt nachgewiesen werden kann. Dazu gibt es verschiedenste Methoden, die alle mit der Art der Erhaltung des Fossils zusammenhängen.
    Beispielsweise Libellenlarven (Odonata) sind gefürchtete Räuber im aquatischen Raum und besitzen als Lauerjäger eine typische Fangmaske, die auch im Fossilbefund gefunden werden kann (s.u.). Aber auch bei schlechter Erhaltung kann man aufgrund der phylogenetischen Position noch (zwar unsichere) Aussagen zu dem möglichen Verhalten treffen, indem man sich anschaut, was rezente Vertreter dieser Gruppe auszeichnet.

 

 

Stipendien:

 

Landesgraduiertenförderung aus Landesmitteln der Universität Greifswald (Promotionsstipendium)

 

 

Publikationen:

 

Hörnig, M. K., Kiesmüller, C., Müller, P., Haug, C. & Haug, J. T. 2020. A new glimpse on trophic interactions of 100-million-year old lacewing larvae. Acta Palaeontologica Polonica 65, 777–786. Free access PDF

 

Kiesmüller, C., Hörnig, M. K., Leipner, A., Haug, C. & Haug, J. T. 2019. Palaeozoic palaeodictyopteran insect nymphs with prominent ovipositors from a new locality. Bulletin of Geosciences 94, 23–40. Free access PDF

 

 

Besuchte Tagungen:


2018:       

- Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG; Greifswald)

- Graduiertenforum (GraFO) der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG; München)


2017:

- Entomologentagung (Freising)

- 18. Tagung deutschsprachiger Crustaceologen (Crusttag; Berlin)

- International Congress on Invertebrate Morphology (ICIM4; Moskau)


2016:

- 17. Jahrestagung der Gesellschaft für biologische Systematik (GfBS; München; inoffiziell)

- Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG; Kiel)


2015:

- Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG; Graz),  Paläoentomologentagung (Bonn)

 

 

Tagungsbeiträge:

 

Vorträge:

 

Christine Kiesmüller & Joachim T. Haug: “A look inside: Approaching the “mysterious” pupal development of holometabolan insects“. Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG) Greifswald 2018.

 

Christine Kiesmüller: “Entwicklung bei Palaeodictyoptera: Neue Nymphenfunde vom Piesberg mit massivem Ovipositor“. Paläoentomologentreffen Bonn 2015.

 

Poster:

 

Christine Kiesmüller, Nerida G. Wilson, Katharina M. Jörger & Timea P. Neusser: “Another weird secondarily coiled acochlidian slug – 3D-reconstruction of Helicohedyle sp. from Lord Howe Island“. 6. International Heterobranch Workshop (IHW) Fremantle 2018.

 

Christine Kiesmüller & Carolin Haug: “Tagmatisation in camel spiders: how functional constraints shape a complex body organisation“. 4. International Congress on Invertebrate Morphology (ICIM4) Moskau 2017.

 

Christine Kiesmüller, Marie K. Hörnig & Joachim T. Haug: “Segmental mismatch in a nymphal cockroach: a case of left-right asymmetry“. Entomologentagung (DGaaE) Freising 2017.

 

Juliana Bjarsch, Christine Kiesmüller, Timo Kolb, Anja Biging, Luisa Brück, Johann Chretien, Joshua Gauweiler, Dominik Kammerer, Katharina Klaffke, Philipp Kraemer, Christina Nagler, Philipp Wagner, Ann-Christin Richter, Marie K. Hörnig, Carolin Haug & Joachim T. Haug: “Studentische Exkursion mal anders – ab in die Sammlung“. 18. Crustaceologentagung Berlin 2017.

 

Christine Kiesmüller & Carolin Haug: “Tagmatisation in camel spiders with a focus on the special condition of the anterior body“. Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG) Kiel 2016.

 

Christine Kiesmüller, Marie K. Hörnig, Angelika Leipner, Carolin Haug & Joachim T. Haug: “Evolution of the ontogenetic development of wings: data from supposedly ‘primitive’ flying insects“. Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft (DZG) Graz 2015.